20 Jahre AEJ – Unser Jubiläum in Eichstätt

24.06.2017

Foto: C. Klenk

Das Jahr 2017 ist ein besonderes für den Absolventen-Verein. Denn der AEJ ist mittlerweile 20 Jahre alt. Dieses Jahr hieß es deshalb: Back to the roots. Nach Get-Together-Veranstaltungen in München, Hamburg, Stuttgart und Berlin war für die Mitglieder diesmal wieder das Städtchen das Ziel, in dem sie – gerade erst oder vor längerer Zeit – ihr Handwerk gelernt haben: Zum Jubiläum war der AEJ zu Besuch in Eichstätt.

Die Teilnehmer starteten mit der jährlichen Mitgliederversammlung und einem gemütlichen Abendessen am Freitag ins Jubiläums-Wochenende (16. – 18. Juni). Volles Programm dann am Samstag: Podiumsdiskussionen mit Absolventen, eine Führung durchs neue Medienhaus der Journalistik und Gespräche mit alten und neuen Bekannten beim Essen und beim Kaffee.

 

Die Panels:

 

Dieses Internet – Neue Herausforderungen im Journalismus.
Mit Nina Schellkopf, Sebastian Meinberg, Sophia Schirmer und Steffen Kühne.

 

Der harte Weg zum Scoop – Investigative Recherche.
Mit Frederik Obermaier und Ulrich Wolf.

 

Journalistik, und jetzt? Alternative Berufswege.
Mit Margit Auer, Miriam Leunissen, Christian Mihr und Steffen Doersam.

 

Journalistische Ausbildung unter der Lupe.
Mit Prof. Dr. Klaus Meier, Katharina Hamel und Lea Reinhard.

 

Abends brachte eine „Dämmerungsführung“ durch Eichstätt überraschende neue Erkenntnisse: So ist DER Hotspot der Stadt laut Stadtführer Frank Warmuth genau zwischen Aula-Bibliothek und Schutzengelkirche zu finden – leider nur, was die Temperatur angeht. Ohne Beziehungen nach Eichstätt hätte es der große Albrecht Dürer womöglich nie zu Weltruhm gebracht: Ein finanzkräftiger Freund aus der Altmühlstadt hat dem Genie offenbar hier und da ausgeholfen. Und: Seine beindruckende Barock-Kulisse verdankt Eichstätt indirekt schwedischen Horden, die die Stadt im Dreißigjährigen Krieg auf grausame Weise verwüsteten. In einer konzertierten Wiederaufbau-Aktion entstand danach das verschnörkelte, pastellfarbene Städtchen, das manchmal ein bisschen an eine riesige Torte erinnert.

Apropos Torte – Anlass für den Besuch in Eichstätt war ja ein Geburtstag, nämlich der 20. des AEJ. Die Feierlichkeiten steuerten am späten Abend auf den standesgemäßen Höhepunkt zu: Die Party im Gutmann, wo DJ Keylift für die musikalische Untermalung sorgte. Wie es sich gehört, schwangen Absolventen und Studenten das Tanzbein, bis der Morgen graute. Und für das leibliche Wohl war in dem 13.000-Einwohner-Städtchen auch um drei Uhr morgens gesorgt – es gibt dann nämlich noch Pizza zu kaufen. Wer sagt’s denn: Eichstätt, die Stadt die niemals schläft!


Der lange Weg zum Scoop – Investigative Recherche

24.06.2017
Engelbert Hopf (links) moderierte das Gespräch zwischen Frederik Obermaier (Mitte, per Skype) und Ulrich Wolf (rechts).

Engelbert Hopf (links) moderierte das Gespräch zwischen Frederik Obermaier (Mitte, per Skype) und Ulrich Wolf (rechts). Foto: C. Klenk

Im Panel zur „Investigativen Recherche“ berichteten Ulrich Wolf von der „Sächsischen Zeitung“ und Frederik Obermaier, Redakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“ und zugeschaltet über Skype, aus ihrem Berufsalltag. Im Regionalen geht Ulrich Wolf etwa den Machenschaften rechter Gruppierungen oder den Verstrickungen von Landespolitikern nach. Frederik Obermaier ist durch seine Mitarbeit an der Panama-Papers-Recherche nicht nur bundesweit bekannt geworden.

Investigativ heißt nicht: Informationen vorab erhalten

Ihre Arbeitsbedingungen bezeichneten die beiden als „extremen Luxus“, denn sie haben noch Zeit für ihre Recherchen. Frederik Obermaiers Team aus acht Journalisten auch schon einmal ein halbes Jahr. Damit steigt jedoch auch der Druck, denn die publizierte Geschichte müsse dann auch „Wellen schlagen“, wie er sagt. Das Investigativ-Team der „Sächsischen Zeitung“ umfasst zwei Reporter – keine Selbstverständlichkeit bei einer Regionalzeitung, aber in Zeiten von Diskussionen um „Fake News“ und „Lügenpresse“ durchaus ein Trend. Journalisten sollten dabei jedoch nicht vergessen, dass „investigativ“ mehr sei, als eine Information vorab zu erhalten, die ohnehin von mehreren Medien veröffentlich werden wird. Es gehe darum, etwas ans Licht zu bringen, dass sonst unbekannt geblieben wäre.

Trotz der zunehmenden Schnelllebigkeit im Netz und dem Streben nach hohen Klickzahlen sollten Journalisten gründlicher recherchieren, nachfragen, einordnen, „unbequem und kritisch“ sein. Dabei könnten Lokal- und Regionalzeitungen laut Ulrich Wolf die Erkenntnisse von Rechercheteams größerer Verlage oder anderer Zusammenschlüsse noch viel besser nutzen. Er hat dies mit einem Teil des Panama-Papers-Datensatzes getan. Dabei wurde allerdings auch ein frustrierender Aspekt seines Jobs deutlich: Der Artikel hatte zwar erst für Aufsehen gesorgt, der mutmaßliche Steuerhinterzieher hat aber keinerlei Konsequenzen davontragen müssen.

Bestechungsversuche und Drohungen

Beide Redakteure hatten schon mehrmals Klagen von großen Kanzleien auf dem Tisch. „Anfangs hat mich das verunsichert. Ich habe mich gefragt, ob ich vielleicht wirklich einen Fehler in der Recherche gemacht habe. Aber irgendwann wird es zur Routine, vor einer solchen Drohkulisse zu arbeiten“, sagte Frederik Obermaier. Bei Ulrich Wolf wurde versucht, ihn mit Geld zu bestechen. Er und seine Familie erhielten Drohungen. Auch wenn ihn das mitgenommen habe, sollten Journalisten nicht vor solchen Auseinandersetzungen zurückschrecken und noch stärker für Pressefreiheit, Daten- und Informanten-Schutz eintreten. Dabei sollten sie sich selber schützen – etwa, indem ihre Adresse nicht öffentlich einsehbar sei, ihr Name nicht an der eigenen Haustüre stehe oder durch verschlüsselte Kommunikation mit Informanten. Verlagsanwälte könnten sich besser austauschen, um ihre Position gegenüber Privatkanzleien zu stärken. „Im Vergleich zu Kollegen in der Türkei und Russland leben und arbeiten wir hier in Deutschland sehr sicher. Das sollten wir nicht vergessen“, mahnte Frederik Obermaier.

von Katrin Schmermund


Journalistische Ausbildung unter der Lupe

26.06.2017
Lea Reinhard hat nach ihrem Bachelor bei Radio Bremen volontiert. Foto: C. Klenk

Lea Reinhard hat nach ihrem Bachelor bei Radio Bremen volontiert. Foto: C. Klenk

Journalismus mit Bachelor- und Master-Studium – kann das überhaupt funktionieren? Womöglich auch „nur“ mit Bachelor? Nachdem der Bologna-Prozess auch in der Eichstätter Journalistik Einzug gehalten hatte, hat sich der eine oder andere Diplom-Journalist durchaus diese Frage gestellt.

Professor Klaus Meier ist dieser Frage in einer bayernweiten Absolventenbefragung nachgegangen und hat im Panel IV die Ergebnisse vorgestellt. Außerdem zu Gast: Master-Absolventin Katharina Hamel und Bachelor-Absolventin Lea Reinhard, mit einem Einblick in den Beginn ihres Berufslebens.

Erste Erkenntnis: Die anfängliche Befürchtung, dass Bachelor von Arbeitgebern nicht als vollwertige Arbeitskräfte akzeptiert würden, hat sich laut Klaus Meier mittlerweile erledigt. Die BA-Absolventen drängen, so zeigt es Meiers Studie, verstärkt in den Beruf. Bestes Beispiel dafür: Lea Reinhard, die direkt nach ihrem Bachelor als Volontärin bei Radio Bremen anfangen konnte. Dort arbeitet sie mittlerweile für das Magazin „buten un binnen“.

Katharina Hamel (rechts) hat der Eichstätter Master im Berufsleben weitergeholfen. Foto: C. Klenk

Katharina Hamel (rechts) hat der Eichstätter Master im Berufsleben weitergeholfen. Foto: C. Klenk

Katharina Hamel dagegen hat noch den Master in Eichstätt angeschlossen und sich darin mit Themen wie BWL, Medienrecht und Personalführung beschäftigt. Außerdem auf dem Stundenplan: die Entwicklung neuer Medienformate und Organisationsformen von Redaktionen und Medien. Kenntnisse, so erläuterte sie, die sie später bei der Umsetzung von Projekten für ihren Arbeitgeber – den Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV)  – gut brauchen konnte.

Doch egal ob Bachelor oder Master, ein Volontariat im Anschluss an das Studium halten beide Journalistinnen für sinnvoll. „Ein Volo bringt Netzwerke, die im Beruf Gold wert sind“, findet Lea Reinhard. Aus Sicht von Katharina Hamel auch wichtig: Die Routine, die man im Volontariat bekommt. Auch Klaus Meier kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass eine praktische Ausbildung nach dem Studium sinnvoll ist. „Ein Studium bereitet gut auf das Volontariat vor, wo man nochmal andere Fähigkeiten lernt.“

Eine gute Nachricht für alle frischen Absolventen hatte Meier noch: Die Konkurrenz auf dem Markt habe nachgelassen. Die Arbeitgeber wünschten sich „Volontäre mit Vorerfahrung, die für den Beruf brennen“. Beste Chancen also für Eichstätter Journalistinnen und Journalisten.

von Iris Volk


Get Together 2016 in Berlin

03.09.2016

9. April 2016 – Zeit für das jährliche AEJ-Treffen. Diesmal fand es in den Räumlichkeiten der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) in Berlin statt. Auf der Tagesordnung: neben der jährlichen Mitgliederversammlung auch ein Rahmenprogramm. Zuerst berichtete ROG-Geschäftsführer und AEJ-Mitglied Christian Mihr von seiner Arbeit, die angesichts fortschreitender Einschränkungen der Pressefreiheit, auch in europäischen Ländern, nicht einfacher wird. Ein ausführliches Interview mit Christian Mihr demnächst auf aejonline.de.

Mitgliederversammlung bei "Reporter ohne Grenzen"

Mitgliederversammlung bei „Reporter ohne Grenzen“

Als Referent war außerdem Journalist Sebastian Schöbel zu Gast. Er ist für die ARD als Junior-Korrespondent in Brüssel tätig. An normalen Tagen berichtet er von dort zum Beispiel über Europapolitik. Den AEJ-Mitgliedern beschrieb er, wie er den 22. März 2016, den Tag der Anschläge in Brüssel, erlebt hat:

Ein Anruf aus der Redaktion hatte ihn beim Frühstück über den Anschlag am Flughafen informiert. Wichtigste Frage: „Wann kannst Du live sein?“ Mit dem Fahrrad fuhr Schöbel daraufhin ins Studio. An seinem Arbeitsplatz angekommen, brach im Studio plötzlich Unruhe aus. Irgendwas schien auf der Straße los zu sein. Auf Twitter las er von einem zweiten Anschlag in der U-Bahnstation Maelbeek. „Das ließ sich schnell verifizieren“, so Schöbel. Ein Blick aus dem Fenster brachte die Gewissheit, denn das ARD-Studio liegt direkt an dieser U-Bahn-Station.

Ein Tag in Telefon-Schalten

Den Rest des Tages verbrachte der Korrespondent in Telefon-Schalten mit den Heimatsendern, die ihre Zuhörer so oft wie möglich live auf den aktuellsten Stand bringen wollten. Informationen musste er sich von Twitter, der Plattform politico.eu, vom Belgischen Fernsehen oder der BBC besorgen, denn: „Wir durften nicht raus.“ Aus Sicherheitsgründen durften die Gebäude rund um die U-Bahnstation Maelbeek nicht verlassen werden.

Trotzdem fragten die Kollegen aus Deutschland in den Interviews natürlich nach der „Stimmung in der Stadt“ – eine Frage, die Schöbel nur indirekt beantworten konnte. Eine Kollege, der während der Anschläge noch zu Hause gewesen war, hatte es da etwas einfacher. Er war nicht im Studio „eingeschlossen“; konnte sich frei bewegen. „Er hatte mehr Stadt“, resümiert Schöbel die Arbeit des Kollegen.

Ganz praktische Probleme

Neben der unbefriedigenden Recherchesituation, die Schöbel auch in einem Blogbeitrag für die electronic media school (ems) des rbb beschreibt, brachte das auch ganz praktische Probleme mit sich: „Wir hatten nichts zu essen. Wir konnten uns nicht einmal eine Pizza bestellen, denn der Pizzaservice wäre nicht durchgekommen.“ Aber trotzdem folgte eine Schalte auf die andere.

Was das zweite große Problem für die Berichterstattung an diesem Tag war. Denn die vier Sender rbb, HR, SR und radiobremen wollten von ihrem Mann in Brüssel beliefert werden. Zwar arbeiten noch andere ARD-Hörfunkkorrespondenten im Brüsseler Studio – aber für andere Landesrundfunkanstalten. Ein Austausch untereinander ist normalerweise nicht vorgesehen. Dadurch wäre ohnehin keine Zeit für Recherchen vor Ort gewesen. Ein Organisationsproblem, das die Zuhörer ansprachen und das auch Schöbel selbst durchaus kritisch sieht. Aber: „Die belgischen Kollegen hätten umgekehrt zum Beispiel in Berlin genauso gearbeitet.“

Die AEJ-Mitglieder in Berlin

Die AEJ-Mitglieder in Berlin


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